Systemisches Denken hat in den letzten Jahren in vielen Praxisfeldern und Wissenschaftsbereichen Verbreitung gefunden und die Handlungsmöglichkeiten erweitert. Es basiert einerseits auf den Beschreibungsmodellen für komplexe Systeme, die in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen entwickelt werden, und andererseits auf der philosophischen Annahme, dass die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, unsere Erfindung ist, und dass die Wirklichkeit im Dialog entsteht.
Der systemische Ansatz zeigt sich als effektiv sowohl im psychotherapeutischen und beraterischen Feld, als auch in der somatischen Medizin, in der Supervision, der Weiterbildung und der Organisations- und Personalentwicklung.
Systemische Psychotherapie und Beratung sieht den Menschen als Teil von größeren, ineinander greifenden Systemen. Dazu gehört die Familie, das Arbeitsteam, die Schulklasse, die Sportmannschaft, die Nachbarschaft, der Freundeskreis. Denn: Probleme entstehen nicht im Menschen, sondern zwischen den Menschen. Schwierigkeiten Einzelner haben immer etwas damit zu tun, wie miteinander geredet und umgegangen wird.
Im psychotherapeutischen Handlungsfeld ist systemische Therapie ein eigenständiger Ansatz. Entstanden aus der Familientherapie, aus der therapeutischen Arbeit mit dem System Familie, wird heute systemisch mit Paaren, Familien und Gruppen, aber auch und insbesondere mit Einzelnen gearbeitet.
Unabhängig von dem Setting werden die Klienten in ihrem jeweiligen Beziehungsgefüge erfasst. Probleme, Symptome und Krankheiten werden in ihren Wechselwirkungen mit Beziehungen, Denk- und Erlebensmustern gesehen. Therapie und Beratung zielen auf eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten durch die Konstruktion von Alternativen, durch die Aktivierung von Ressourcen und Entwicklung von Lösungen.